Vereinschronik

Die Geschichte des Vereines aufzuführen wird immer schwieriger. Durch das Ableben der Mitglieder geht auch immer ein Stück Vereinsgeschichte verloren. Auch Bilder werden mit der Zeit immer unkenntlicher und irgendwann weiß auch keiner mehr wer dort abgelichtet ist.

Dies möchten wir verhindern. Die Chronik soll ein Stück Vereinsgeschichte allen in Erinnerung halten. Angefangen hat Dieter Schwalbach die Chonik zum Vereinsjubiläum. Zur Erhaltung der Chronik ist die Mitarbeit aller Vereinsmitglieder von Nöten. Wenn jemand Bilder oder Anmerkungen hat, bitten wir diese an uns, den Vorstand, weiterzuleiten. Bei Bildern den Namen nicht vergessen, damit diese den Besitzer auch wieder erreichen.
Wir werden uns digitale Abzüge machen und hier veröffentlichen. Somit hat jeder etwas davon.

Die Adressen des Vorstandes findet Ihr hier oder schickt eine Mail an die Onlineredaktion unter webmaster@musikfreunde-naurod.de

 

Vielen Dank für die Mitarbeit
Eure Onlineredaktion

Vereinschronik Teil 1

Drei junge Männer aus Naurod, Arthur Schumacher, Hermann Etz und Richard Diefenbach waren miteinander befreundet. Gemeinsame Grundlage ihrer Freundschaft war die Freude am Musizieren. Hermann Etz besaß eine Mandoline, Arthur Schumacher hatte eine Gitarre. Als dann Richard Diefenbach noch eine unbesaitete Gitarre mit nach Hause brachte, sollte der Plan vom eigenen Musikverein verwirklicht werden. Zusammen mit Karl Ohl trafen sich diese drei jungen Männer am 21. Oktober 1923 im Gasthaus "Zum Deutschen Haus", um den Grundstein für den Verein zu legen. Auf Vorschlag von Arthur Schumacher sollte der Verein, dessen Ziel die Pflege der Musik sein soll, den Namen "MUSIKFREUNDE NAUROD 1923" erhalten. Obwohl sich diese vier Idealisten erheblich Mühe gaben, konnten sie an diesem Abend nicht alle Probleme, die mit einer Vereinsgründung im Zusammenhang stehen, lösen.

Deshalb rief man zu einer Gründungsversammlung am 28. Oktober 1923 auf. Außer den bereits Genannten fanden sich noch Erwin Diefenbach, Otto Raab, Ernst Dörr und Paul Beltz ein. Man wählte an diesem Abend einen ersten Vorstand und bestimmte das Motto des Verein: "Dem Wahren - Schönen - Guten". Außerdem gründete man ein Zupforchester, in dem Karl Ohl und Ernst Dörr die 1. Mandoline, Paul Beltz die 2. Mandoline, Erwin Diefenbach Mandola, Arthur Schumacher, Richard Diefenbach und Hermann Etz die Gitarre spielten. Als ersten Dirigenten verpflichtete man Herrn Wittlich vom Mandolinen und Lautenchor Wiesbaden. Pro Spielstunde erhielt er ein Honorar von acht Billionen Papiermark. Auch die Spielerbeiträge waren in Billionen Papiermark zu entrichten.

Der Verein widmete sich nicht nur der Zupfmusik. Als weiteres Ideal hatte man sich dem Wandern verschrieben. Unter der Leitung von Arthur Schumacher wurden viele Wanderungen durchgeführt, wobei die "Nachttouren" besondere Höhepunkte waren. Bald schlossen sich dem Verein weitere Spieler an. Unter ihnen waren Edmund Diefenbach, der in späteren Zeiten lange Jahre als 1. Vorsitzender die Geschicke des Vereins in Händen hielt und der langjährige Ehrenspielführer Adolf Diefenbach. Im Wanderbereich waren es Reinhold Barthel und Oswald Schulte, die dafür sorgten, dass die jungen Spieler mit ihren Klampfen in der Hand die Heimat durchwanderten. Zu diesem Zweck hatte man sich der "Deutschen Jugendpflege" angeschlossen.

Im März 1924 übernahm Wilhelm Bibo aus Sonnenberg die Leitung des Orchesters. Ihm folgte 1930 Herr Graupner aus Wiesbaden.

Ein markanter Punkt in der Geschichte des Vereins war 1932 der Beitritt Richard Schliffers. Mit ihm als Bassist erhielt das Orchester sein Fundament. Bald darauf setzte sich aus den Spielern ein Tanzorchester zusammen, das weit über die Grenzen Naurods einen beachtlichen Namen hatte. Besonders die Auftritte im Rhein- / Taunusclub waren es, die den Ruhm begründeten.

Im Jahre 1933 war der Fortbestand des Vereins aus politischen Gründen gefährdet. Erwin und Richard Diefenbach veranlassten ihren Freund Heinrich Ehrengart in einer Generalversammlung im "Weißen Ross" den Vorsitz zu übernehmen und damit die Auflösung des Vereins zu verhindern. Die MUSIKFREUNDE NAUROD würdigten das beherzte Eingreifen von Herrn Ehrengart und ernannten ihn nach dem Krieg zum Ehrenmitglied.

1933 konnte man unter der Leitung von Herrn Graupner das zehnjährige Vereinsbestehen feiern. 1935 übernahm dann wieder Herr Bibo die Arbeit mit dem Orchester. Unter seiner Regie entwickelte sich ein hervorragender Klangkörper, der bei Wettstreiten große Erfolge erzielte.

Mit dem Beginn des 2. Weltkrieges kam alle Vereinstätigkeit zum Erliegen. Der Krieg selbst brachte für den Verein herbe Verluste. Neun Mitglieder kehrten nicht mehr zurück.

Doch unmittelbar nach dem Krieg fand sich wieder eine kleine Schar zusammen, die unter der Leitung von Oswalt Schulte einen neuen Anfang versuchte. So konnte der Verein 1947 gemäß den Auflagen der amerikanischen Besatzungsmacht neu gegründet werden. Der Probebetrieb wurde unter der Obhut von Herrn Bibo wieder aufgenommen. Unter seiner Leitung wurde 1948 das 25jährige Vereinsjubiläum gefeiert. Die Veranstaltung fand bei der Nauroder Bevölkerung großen Anklang, und so war der Saalbau "Zum Taunus" bis auf den letzten Platz gefüllt.

Vereinschronik Teil 2

Der Verein wuchs stetig. Die Zahl der aktiven und passiven Mitglieder nahm immer mehr zu. Doch dann zeichnete sich eine neue Krise ab. Die Finanzverwaltung verlangte Körperschaftssteuer in einer Höhe, die den Verein zur Aufgabe gezwungen hätte. Die Vereinskasse war jahrelang vorbildlich von Ludwig Diefenbach verwaltet worden. Jetzt lag sie in den Händen von Richard Schliffer, der sie umsichtig führte. Er stellte sich der steuerlichen Herausforderung und erreichte bei der Oberfinanzdirektion einen Steuererlass.

Das 30jährige Bestehen wurde mit einem "Freundschaftsspielen" im Saalbau "Zum Taunus" gefeiert. Aufgrund einer langwierigen Erkrankung wurde Herr Wilhelm Bibo am 3. Dezember 1955 als Dirigent verabschiedet. Für seine Verdienste wurde er zum Ehrenmitglied ernannt.

Seine Nachfolge trat Herr Ludwig Schmidt, der auch das Biebricher Zither- und Mandolinenorchester leitete, an. Seinem stetigen Einsatz verdankte das Orchester eine starke Aufwärtsentwicklung. Doch bereits nach fünf Jahren musste Herr Schmidt aus gesundheitlichen Gründen aufgeben.

Vom 1. November 1960 an übernahm Herr Edmund Glaubitz den Dirigentenstock bei den MUSIKFREUNDEN. Unter seiner Leitung konnte 1963 das 40jährige Vereinsjubiläum gefeiert werden. Am 21. September 1963 wurde eine akademische Feier im Vereinslokal veranstaltet. Das Jubiläumskonzert am 22. September 1963 in der Turnhalle der Rudolf-Dietz-Schule war gut besucht und fand bei den Zuhörern reichen Beifall.

Herr Glaubitz brachte das Orchester zu einer beachtlichen Höhe. Er leitete auch das Mandolinenorchester Wiesbaden und verstand es, beide Orchester zu gemeinsamen Konzertauftritten zu bewegen. So entstand ein harmonischer Klangkörper, der bei vielen Auftritten Anerkennung fand. Hervorzuheben sind die Beteiligung an den Wiesbadener Volksmusiktagen, den Eppsteiner Burgfestspielen, das Mitwirken bei Rundfunk- und Fernsehsendungen und die Teilnahme an Konzerten großer hessischer und rheinhessischer Gesangvereine. Besonders sind hier Konzerte in Viernheim und in der Stadthalle Worms hervorzuheben. Außerdem wurden mehrere Schallplattenaufnahmen gemacht.

Am 23. September 1973 feierten die MUSIKFREUNDE NAUROD in der Schulturnhalle mit einem Jubiläumskonzert ihr 50jähriges Bestehen. Unter der Gesamtleitung von Herrn Glaubitz wirkten das Mandolinenorchester Wiesbaden, die Nauroder Gesangvereine und der Evangelische Kirchenchor Naurod bei dem Konzert mit.

Wegen seiner Erkrankung wurde Herr Glaubitz bei der Weihnachtsfeier 1976 als Dirigent verabschiedet und zum Ehrendirigenten ernannt. Er blieb aber den MUSIKFREUNDEN weiterhin treu verbunden und kümmerte sich bis kurz vor seinem Tod intensiv um die Ausbildung der Jugendlichen.

Nach Herrn Glaubitz wurde das Orchester bis zum März 1979 von Herrn Jürgen Alexander geführt. Mit ihm unternahm der Verein im Mai 1978 eine Konzertreise in die französische Partnergemeinde von Naurod, Fondettes, bei der auch Mitglieder des befreundeten Hofheimer Mandolinenorchesters teilnahmen. Aus diesem Anlass wurde auch der Hofheimer Partnerstadt, Chinon, ein Besuch abgestattet.

Im April 1979 trat Herr Anton Frey die Nachfolge von Herrn Alexander an und stand bis Juni 1982 als Dirigent zur Verfügung.

Am 22. Juni 1982 konnten wir mit Franz Köhler einen erfahrenen Mann in Sachen Zupfmusik als Dirigent per Handschlag verpflichten. Hinzu kam noch, dass er schon lange vorher mit den Naurodern freundschaftlich verbunden war. Er spielte öfters in unserem Orchester mit und kannte so dessen Mentalität. Schon in der Anfangszeit seiner Dirigententätigkeit besserte sich das Betriebsklima im Orchester merklich. Mit seiner ruhigen sachlichen Arbeitsweise wurde Franz Köhler allen Aufgaben gerecht, bei Konzerten im Kurhaus, im Kloster Eberbach, in Frankreich und Italien, bis hin zu Vereinskonzerten mit namhaften Gesangvereinen. Hinzu kamen Rundfunk- und Fernsehaufnahmen und die Produktion einer CD. Sein Talent, alle möglichen Noten in Mandolinenmusik umzuschreiben, ist schon bemerkenswert und bringt unserem Orchester einen Riesenvorteil gegenüber anderen Orchestern. Mit seinen Arrangements brachte und bringt er sehr viel Abwechslung in unsere Musikszene.

Vereinschronik Teil 3

Die vielfältigen Aufgaben, die neu auf den Verein hinzukamen und die Risiken, die damit verbunden sind, machten eine andere Konzeption des Vereinsgefüges notwendig. So wurde unter der Federführung von Dieter Schwalbach die jetzt gültige Vereinssatzung ausgearbeitet. Eine außerordentliche Mitgliederversammlung stimmte am 21. April 1978 der neuen Satzung zu. Gleichzeitig wurde die Eintragung in das Vereinsregister beschlossen. Dies ist mit Wirkung vom 17.10.1978 unter der Nr. 1968 beim Amtsgericht Wiesbaden geschehen. Mit Bescheid vom 19. August 1994 hat das Finanzamt Wiesbaden I den Verein als gemeinnützig anerkannt.

Seit geraumer Zeit können die festen Kosten, die mit der Vereinsarbeit im Zusammenhang stehen, nicht mehr durch die Mitgliedsbeiträge und die Honorare des Orchesters gedeckt werden. So war man gezwungen, neue Einnahmequellen zu erschließen. Ab 1973 veranstaltete man ein Vereinspicknick, das von der Nauroder Bevölkerung gut aufgenommen wurde. Zu diesem Zweck wurde ein Picknickplatz an der oberen Dörrwiese mit viel Arbeitsaufwand von den MUSIKFREUNDEN hergerichtet. Der Platz wurde planiert und befestigt. Außerdem wurde eine Schutzhütte gebaut. Leider gingen andere Benutzer mit der für die Allgemeinheit geschaffenen Einrichtung nicht so pfleglich um. Man gab schließlich schweren Herzens dieses ideale Gelände auf und veranstaltete die Picknicke auf dem Parkplatz vor der Kellerskopfhalle.

Durch einen sehr glücklichen Zufall konnten die MUSIKFREUNDE in der Auringer Straße in Naurod die Wirtschaftsgebäude eines ehemals landwirtschaftlich genutzten Hofes anmieten. In vielen tausend Arbeitsstunden wurden die Scheune und die Stallungen umgebaut und einer anderen Nutzung zugeführt. Stolz haben sie ihrer neuen Heimstatt den Namen MANDOLINENSTADL gegeben. Seit 1992 wird hier beim Äppelblütefest eine Straußwirtschaft mit großen Erfolg betrieben, und es werden weitere Feste, wie z.B. unser Hoffest gefeiert. Aber auch für andere Vereinszwecke wird das Stadl genutzt. Der Vorstand hält im ehemaligen Kuhstall seine Sitzungen ab und das Orchester probt hier in den Sommermonaten.

Im Laufe der Vereinsgeschichte gab es immer wieder Männer und Frauen, die sich uneigennützig in den Dienst der Sache stellten. Allen voran ist hier Edmund Diefenbach zu nennen, der lange Jahre als 1. Vorsitzender dem Verein vorstand. In seiner unauffälligen Art steuerte er das Vereinsschiff über viele Klippen hinweg und legte mit seinem starken Engagement die Grundlage für das heutige Vereinsbestehen.

In Richard Diefenbach hatte der Verein einen weiteren Vorsitzenden, der sich um den Verein verdient gemacht hat. Er erkannte die Wichtigkeit der Nachwuchsförderung und legte den Grundstein zur heutigen Jugendarbeit. Diese Arbeit hat reife Früchte getragen. Viele Nachwuchsspieler sind heute Stammspieler im Orchester. Wegen seiner Verdienste wurde Richard Diefenbach zum Ehrenvorsitzenden ernannt.

Vereinschronik Teil 4

1977 hat Alwin Diefenbach den Vorsitz übernommen. Tatkräftig unterstützt von seiner Ehefrau Anita sorgt er unermüdlich dafür, dass die MUSIKFREUNDE all ihren Anforderungen gerecht werden, und dabei die Harmonie im Verein erhalten bleibt. Mit Alexander Jung steht ihm ein langjähriger erfahrener Vertreter zur Seite. Die Vereinskasse ist seit langen Jahren im Hause Schliffer gut aufgehoben. Von Richard Schliffer, der für seine Verdienste zum Ehrenkassierer ernannt wurde, gingen die Kassengeschäfte auf seinen Sohn Hartmut über. Er versteht es immer wieder, trotz der gewaltigen Kostenexplosion noch einen Überschuss zu erwirtschaften. Eine wertvolle Mithilfe hat er in seiner Ehefrau Elsbeth, die als 2. Kassiererin treue Dienste tut.

Als 1. Schriftführer kümmerte sich Dieter Schwalbach seit 1977 um die Protokollierung des Vereinsgeschehens. Er führt mit dieser Aufgabe die langjährige Schriftführertätigkeit von Ernst Schlosser und Alwin Diefenbach fort. Inzwischen steht im Manuela Groß hilfreich zur Seite.

Die Interessen des Orchesters werden derzeit von der Spielleiterin Sibille Diefenbach vertreten.

Fortsetzung folgt...

 

Stand: 1998